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Anna
zuckte zusammen. Was war das eben für ein Geräusch? Es klang wie ein
Poltern, ein Rumpeln. Das Mädchen hielt den Atem an und spitzte die Ohren.
Ihr war es, als höre sie Schritte. Dann wieder hörte sich Wie
lange war es doch schon her, dass sie fröhlich mit ihren Freunden
ausgegangen war? Wie war sie nicht mehr im Kino gewesen? Seit sie
umgezogen waren. Annas Eltern hatten sich ganz plötzlich entschieden Alles kam ihr so sinnlos vor, als sie am nächsten Tag zur Schule ging. Das Mädchen trug kaum noch einen Funken Hoffnung auf bessere Zeiten in sich, doch noch gab sie nicht auf. Schließlich war die neunte Klasse der Hauptschule bald zu Ende und dann würde sie nicht mehr in die verhasste Schule gehen müssen. Anna
fühlte sich beobachtet. Flüchtig drehte sie sich um. Alles schien normal
zu sein: Kinder mit Ranzen Plötzlich flog eine Taube hoch. Anna erschrak heftig und wurde brutal aus ihren Gedanken gerissen. Sie ärgerte sich. Wie schreckhaft war sie nur in letzter Zeit ! Anna
Linhold kam rechtzeitig zur Schule, wie jeden Tag , packte flink ihre
Bücher aus und verdrückte sich dann mit einem Heft zum Lernen in eine
stille Ecke. Dort konnte sie niemand stören. Erst mit dem Stundenklingeln
kam sie aus ihrem Versteck. Jeden Tag. Die Stunden wälzten sich dahin, so
wie alles, was schnell vergehen sollte, noch langsamer verging. In der
Pause beobachtete sie manchmal ihre Mitschülerinnen und wünschte sich
auch wieder wie jedes Mädchen über Stars, Musik, Kinofilme und Jungs mit
ihren Freundinnen sprechen zu können. Fast immer war sie einsam. Manchmal
war sie den Tränen nahe. Zu Hause tröstete sie sich mit ihrem Kater
„Brian“, benannt nach einem Mitglied der „Backstreet Boys“, einer
berühmten Popgruppe und ihrem Wellensittich „Trudi“, der sprechen konnte
wie ein Wasserfall und den Auf
einmal kam eine kleine Gruppe von Jungen auf sie zu. Anna lief ein
eiskalter Schauer über den Rücken.; unwillkürlich begann sie zu zittern.
Was wollten die bloß von ihr? Das Mädchen suchte verzweifelt nach „Wie viel Taschengeld bekommst Du?“, begann der eine. Er war sehr groß und sah höhnisch auf sie herab. Anna wusste sofort, worauf er hinaus wollte. „Überhaupt keines“, antwortete sie leise, um der Sache auszuweichen. Doch ihr Argument hatte wohl wenig glaubwürdig geklungen, denn der Riese zückte das Messer und bedrohte sie. Zehn Mark sollte sie mitbringen, sonst würde er ihr „das Gesicht verschönern“, wie er es ausdrückte. Dabei hatte er vielsagend vor ihrem Gesicht mit dem Messer durch die Luft gefuchtelt. Anna hatte zwar schon von derartigen Brutalitäten gehört, aber sie hätte nie geglaubt, dass es sie selbst betreffen könnte. Auf dem Nachhauseweg schlich sie betrübt durch die Straßen. Immer langsamer wurde sie, bis sie schließlich stehen blieb. Lustlos beugte sie sich über das Brückengeländer. Da kam ihr plötzlich eine schreckliche Idee. Anna wollte sich umbringen, einfach nur von der Brücke hinunter in den Fluss springen und alles wäre vorbei! Es konnte doch so einfach sein. Dann würden die furchtbare Angst und die ständige Einsamkeit, die immer an ihr hafteten und sie Tag für Tag verfolgten, nicht mehr sein. Außerdem würde sie sich nicht mehr das dumme Getuschel ihrer Mitschüler anhören müssen. Aber war das wirklich das, was sie wollte? Wollte sie nicht immer kämpfen bis sie die Schule beendet hatte, um dann zu ihren Freunden, die so weit weg schienen zurückzukehren? Wo war ihr Ehrgeiz geblieben? Als Anna diese Fragen blitzschnell durch den Kopf rasten, kehrte die Hoffnung für einen Moment zurück und sie fasste den Entschluss NEIN; ICH WILL LEBEN! Aus ihrer Verzweiflung heraus, gab Anna den Jungen das Geld, doch sie kamen immer wieder, verlangten mehr Geld und das Mädchen gab es ihnen. So verging die Zeit. Anna ging in die Schule, lernte oft und startete mehr als einmal einen Selbstmordversuch. Doch sie kämpfte sich weiter durchs Leben. Es muss immer weiter gehen, dachte sie. Am Ende des Jahres war eine große Abschlussfeier geplant. Doch Anna kam nicht. Statt dessen nahm sie ihr Zeugnis, packte ihren Rucksack und machte sich mit dem Zug auf den Weg in die Heimat. Die
Sonne schien warm vom Himmel und die Vögel zwitscherten Der Sommer war
nun voll im Gange. Anna lief gerade verträumt den alten Sandweg zum Dorf
hinauf. Der Sand und die Steine glitzerten unter ihren Füßen, als sie
langsam eine Gestalt auf sich zu kommen sah. Durch einen dicken Schleier
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