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"DEN WEG ENTLANG" (2004) - Marlene Hofmann

Der Wind reißt an meinen Haaren, schleudert sie mir ins Gesicht, fliegendes Herbstlaub überholt mich auf meinem Weg. Ich setze langsam einen Schritt vor den anderen, der Wind bedrängt mich, will mich schneller vorwärts schieben. Haare kitzeln meine Nasenspitze, brennen in den Augen. Wieder streiche ich sie weg,
über die Schulter, nur damit der Wind sie erneut nach vorn blasen kann. Mein Weg führt durch den Park und die Bäume biegen sich gefährlich, scheinen aus Gummi zu sein, denn sie beugen sich zu mir herunter, als wollten sie mir ins Ohr flüstern. Weil die Blätter so rascheln, der Wind so heult, kann ich sie nicht verstehen. Einen Schritt vor den anderen setzen, nicht zu schnell laufen, der Wind drängt zu sehr. Manchmal blicke ich zurück und er streicht mir das Haar über die Schultern nach hinten, peitscht es mir rücksichtslos ins Gesicht, streicht es zurück und das gleiche noch einmal. Ich drehe mich wie die Blätter im Wind, sie überholen mich oder fliegen neben, über, vor mir, drehen sich auch, kreisen, geschoben vom Wind, durch den Park. Ich sehe meinen Weg nicht mehr, so schnell drehe ich mich. Die braunen und roten Blätter nehmen die graue Farbe des Asphalts und der Asphalt die rote und braune der Blätter an. Der Wind ist mittendrin, spielt mit dem Kreisel. Das Herbstlaub ist der Kreisel, ich bin der Kreisel. Und ich kreise, solange bis ich zu Boden sinke,
die Knie den Weg berühren, meinen Weg, den ich nicht mehr sehe, aber spüre.

 


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