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"ABWÄRTS" (2002) - Antonia Hofmann

Die Sonne schien auf ihre nackte Haut, kein Lüftchen wehte. Es war ganz ruhig.

Der helle, große, runde Ball, soweit oben am Himmel, sendete seine grellen Strahlen direkt in ihr Gesicht.
Die Haut dort glühte wahrscheinlich schon rot von der Wärme.

Sie tauchte nach unten, um endlich einen Fisch sehen zu können. Die waren hier so herrlich bunt und schwammen umher in so vielen verschieden Farben. Das Wasser war sehr kalt und als sie hinein tauchte, zuckte sie ein wenig zusammen. Doch  sie hatte schon immer einmal hierher gewollt, schon soviel von
diesem seltsamen und doch so wunderschönen Ort gelesen und gehört.

Aber es war tausendmal schöner, als sie es den anderen immer beschrieben hatte, wenn sie von hier schwärmte. Sie hörte noch die Worte der anderen im Ohr, sie solle nicht immer so übertreiben. Doch jetzt wurde ihr bewusst, dass das nie der Fall gewesen war. Im Gegenteil.

Dort! Ein Fisch! Schöner als alles andere, was sie je gesehen hatte! Ein Fisch schwamm mitten in diesem Blauen Schimmer durch den nun nur noch wenige Sonnenstrahlen drangen. Sie meinte, Seine glasklaren Augen starrten ihr direkt in die Ihren. Er zeigte noch einmal seine in allen Nuancen glänzenden Schuppen
und verlor sich dann aus ihrer Sichtweite.

Unter sich sah sie Algen und Meerespflanzen, doch diese erschreckten sie nicht, sondern zogen sie noch mehr in den Bann. Die Blätter der Pflanzen die sich wie Arme nach ihr reckten und nach ihrem Körper griffen, versetzten sie in einen Rausch von Unendlichkeit in der Tiefe.

Langsam ließ die Angespanntheit der letzten Tage nach und sie fühlte sich frei, als sich diese seltsam erlösende Ruhe in ihr ausbreitete.

Sie sah um sich und sah weit und breit kein Leben. Wo waren sie denn jetzt alle, diese wunderbaren Geschöpfe? Versteckten sie sich vor ihr? Wo?

Gefangen in diesem einmaligen Traum, wurde ihr langsam kalt,  als sie wusste, dass es zu spät war, um wieder aufzutauchen.

 


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