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Gedichte
Eine sprechende Nebelschwade
reichte mir ihre Hand,
umhüllte mich mit Tau,
setzte Raureif in mein Haar
und ließ meine frierenden Lippen wie Kristalle funkeln.
(Marlene)
Ein kleiner Vogel
fliegt um meinen zitternden Körper,
hört meinen schnellen Atem,
bemerkt meine entsetzten Augen
und will mir sagen:
Es war nur der Wind.
(Antonia)
Träume sind wie die Grundmauern
einer Festung,
die alles zusammenhalten,
Schützen,
und auf denen die Wirklichkeit aufbaut.
(Marlene)
Ein Hauch von Zärtlichkeit
angetrieben von ungeduldigem Verlangen,
Zerreißender Leidenschaft
Lässt mich zu dir sagen:
Ich lieb dich nicht mehr!
(Antonia)
Kehrseite
Manchmal möchte ich du sein
Ich will alles wissen
Ich möchte fühlen, was du fühlst und denken, was du denkst
Ich möchte deinen Gedanken lauschen, dein Blut rauschen hören,
wenn du mich berührst,
wenn du mich in deinen Armen hältst,
mich küsst
Ich möchte die Berührungen auf deiner Haut spüren
Wissen, wie es ist
Für einen Tag, den Körper tauschen
Dir ganz nahe sein,
so nah wie nie,
so tief wie nie wieder
Ich will die Kehrseite kennen
(Marlene)
Als die Welle über mir brach
und ich das salzige Wasser
des Meeres schluckte,
ging die Sonne mit mir unter.
(Antonia)
Wenn Schmetterlinge tanzen
im kühlen Hauch
des Windes,
dann sehe auch
die Kostbarkeit.
(Marlene)
Schneefee
Eine leise Melodie,
wie ein Tanz.
Der Klang...
wie der Schnee,
leise...,
sanft,
wohlig warm...
sie hüpft,
so leicht....
so geschmeidig....
ihre Bewegung
so zart wie ein Engel...
Eine kleine Gestalt,
mit zerbrechlichen Flügeln...
dünnem Kleid,
leuchtet wie ein Stern,
in der Nacht,
wie am Tag...
meine Fee...
die den Schnee streut...
(Antonia)
Flüsterndes Laub
Murmelt ungehörte Geschichten,
Wenn der Wind es durchfährt
Und für immer trennt.
(Marlene)
Fliegende Gedankenfäden
durch ein breites Band lose zusammengehalten,
verknoten sich, berühren sich kurz
oder gehen aneinander vorbei.
(Marlene)
Wenn ich zweimal klopfe
Und dreimal gehört würde,
könnte ich viermal grüßen
und doch nur einmal eintreten.
(Marlene)
Ich weiß wer ich bin
„Wenn du mich nicht kennst?!
Wenn du mich nicht liebst?!
frag ich mich, ob es dich wirklich gibt...
mich muss man einfach kennen,
meinen Namen kann dir jeder nennen..."
„Wenn du dich denn kennst?!
Wenn du dich denn liebst?!
weiß ich, dass es dich wirklich gibt...
doch muss man dich kennen?
ich kann niemandem deinen Namen nennen..."
„Was bist du denn für einer?
so beleidigt hat mich noch keiner!"
„Ich bin nur ich.
Und wer bist du?"
„Du bist dumm.
Lass mich in Ruh!"
„Na gut ich bin dumm.
Wenn du das sagst."
„Was soll das?
...das du mich so plagst?"
„Was das soll?
Erkennst du mich nicht?"
In dem Moment erscheint ein Licht...
Es war ihr Gewissen...
Doch sie wusste es nicht...
(Antonia)
Fort
Wie Tau glitzerst du in der
Sonne,
deine geschlossenen Augen sind tief wie der See im Wald
Wie einst dein Atem,
durchstreift der Wind mein Haar.
Meine verregneten Augen lassen deinen Körper
wie Nebel erscheinen.
Und du bist weit, weit fort.
(Marlene)
Wenigstens einmal bin ich
gegangen
wenigstens einmal hab ich dich gesehen
das Glänzen in deinen Augen einzufangen
der Augenblick wird nie vergeh'n
Nun geh ich mit geschlossenen Augen zurück
während ich leuchtend helle Sterne seh
Vielleicht such ich später noch einmal dieses Glück
Der Schmerz ist groß, es tut so weh.
(Marlene)
Balanceakt.
Verkleinert sieht alles ganz
anders aus.
Minimiert. Reduziert.
Weit beuge ich mich
über die Brüstung,
bewunderte, wie winzig alles ist.
Ich beuge mich weit hinaus
und schaue, beuge mich so weit wie noch nie.
Meine Haare werden vom Wind getrieben,
wehen in der kühlen Luft,
die Luftmassen werden vom Wind getrieben
wie meine Haare.
Ich klettere
auf die Brüstung,
schaue hinunter und sehe
wie klein alles ist.
Minimiert. Reduziert.
Und langsam balanciere ich
wie eine Seiltänzerin auf der Brüstung.
Der Wind zieht an meinen Haaren,
zerrt an meiner Kleidung,
an mir.
Wie meine Haare
werden die Luftmassen vom Wind getrieben.
Wie ein Vogel,
der nichts zu fürchten hat,
balanciere ich,
die nichts zu fürchten hat.
Ich schaue hinunter
und freue mich, weil alles so winzig ist.
Minimiert. Reduziert.
Eine Spielzeuglandschaft
über der ich balanciere.
ich,
ein Spielzeug,
eine Puppe auf der Brüstung
- Seiltänzerpuppe -
und der Wind will mich tragen.
Auf einem Bein stehe ich
auf der Brüstung,
während des größten Balanceaktes
der Seiltänzerin,
schwebe, fliege, falle
mit dem Wind vereint
von der Brüstung
hinab, dorthin,
wo alles so winzig ist.
(Marlene)
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